Beschaffung @ Bekleidung @ China – Sourcing-Szenario 2018 (Teil 2)

Teil 2 – Rückgewinnung der Wettbewerbsfähigkeit (das optimistische Szenario)

Hier nun die bereits angekündigte Fortsetzung der zwei kontroversen Szenarien zur Entwicklung in China. Aus aktuellem Anlass sei erwähnt, dass in einer Blitzumfrage von TReE Ende Januar über 40% der befragten Modeunternehmen davon ausgehen, dass die aktuelle Währungsentwicklung die Beschaffung aus China zusätzlich nagativ belastet…

Scnario 2

Kernbotschaft

In den letzten zehn Jahren ist in der globalen Beschaffung mehr passiert als ein reiner Aufbau eines neuen Beschaffungs-marktes China. Mit den Aufträgen der westlichen Abnehmer ist noch etwas anderes ins Reich der Mitte gekommen: Kompetenz! Nicht nur die Fähigkeit, gute Ware zu produzieren, sondern die gesamte Supply  Chain zu managen hat China so erfolgreich gemacht. Allein aus Komplexitätsgründen wird es für viele Händler keinen Sinn machen, größere Teile ihrer Beschaffung dauerhaft aus China abzuziehen. Rückblickend wird man die jetzige Phase als eine Neuorientierung der Branche verstehen – aus der Chinas Bekleidungsproduktion anders, aber gestärkt hervorgehen wird. Das spricht für diese These:

1. „Überhitzung“
Immobilienpreise, Lebenshaltungskosten, Lohnentwicklung – alles in kurzer Zeit explodiert. Chinas Wirtschaft wird auf eine sanfte Landung vorbereitet. Die Löhne werden zwar weiter steigen, jedoch nur noch im Gleichklang mit Produktivitäts-verbesserungen. Zudem stehen auch Bangladesch und Kambodscha vor dringend erforderlichen Lohnerhöhungen, wollen sie keine internationale Ächtung und weiteren Imageschaden befürchten.

2. „Arbeitskräftepotenzial“
Natürlich wird die Zahl der jungen Näherinnen zukünftig weiter abnehmen. Durch die Modernisierung der Landwirtschaft wird die Verstädterung jedoch anhalten. Dadurch wird es weiterhin eine hohe Nachfrage nach einfachen Tätigkeiten in den Ballungszentren geben.

3. „Effizienzsteigerungen“
Die Bekleidungsindustrie in China ist noch erstaunlich händisch. Oft werden erst jetzt bestehende Potenziale angegangen. Anlagen und Abläufe werden auf Produktivität getrimmt. Der Automatisierungsgrad nimmt zu.

4. „Konsolidierung“
Bedeutet zunächst weniger Wettbewerb – kurzfristig preiserhöhend. Mittelfristig werden sich auf allen Stufen die
leistungsfähigsten Player durchsetzen. Der Wettbewerb nimmt dann wieder zu. Die Investitionen in neue Anlagen und Effizienzsteigerungen werden die Stückkosten senken.

5. „Kompetenz-Breite“
Bei sehr vielen Warengruppen ist China durch die gesamte Kette führend – Seide, Kaschmire, Daune, Spitze.
Kaum denkbar, dass China hier seinen hohen Stellenwert verliert. Zusätzlich verfügt China über die wohl besten Möglichkeiten in Asien, schnell anspruchsvolle Samples zu liefern und Accessories-Sourcing zu leisten.

6. „Umdenken“
In den letzten zwei Jahren haben die chinesischen Lieferanten viele Aufträge verloren, weil sie die Preise nicht mitgehen konnten oder wollten. Jetzt beginnt man sich dem neuen Wettbewerb zu stellen. Gesucht wird ein neuer Kundenmix: Weg von einer Handvoll Großkunden, hin zu einem stabilen Kundenportfolio. Kleinere Aufträge, aber dafür geringere Abhängigkeiten.

7. „China als Absatzmarkt“
Marken erschließen sich China als Absatzmarkt – eröffnen eigene Stores, managen Vertriebsnetzwerke. Vermutlich macht es das Leben deutlich einfacher, wenn dafür die Beschaffung in China stattfindet („Local for Local“). Und dann hat man ein weiteres Argument, den europäischen Bedarf auch weiterhin in China zu belassen.

8. „Alternativen“
Sind für Handel und Industrie oft nicht verlässlich genug und führen zu hohem Risiko und hoher Komplexität. Viele
Unternehmen zahlen gerade Lehrgeld in Bangladesch und Kambodscha. Bei Berücksichtigung aller Faktoren, auch interner Qualitäts-und Prozesskosten, zeigt sich, dass es mittelfristig nicht sinnvoll ist, wegen einiger Cent Aufträge aus China abzuziehen. CSR wird zukünftig als messbares Kriterium stärker in die Beurteilung von Märkten einfließen – tendentiell zum Vorteil Chinas.

Fazit und Prognose
In den letzten drei Jahren sind schätzungsweise 1 Milliarde Teile der EU-Kunden an Bekleidung aus China verlagert worden. Ca. 50% davon waren erforderlich und werden auch nicht nach China zurückkommen. Die zweite Hälfte wurde zu hastig verlagert. Das unterste Marktsegment hat sich vielleicht halbiert, dafür wird die Branche in den mittleren und gehobenen Preislagen ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Chinas Bekleidungsbranche geht aus der Krise gestärkt als Beschaffungsdrehscheibe mit hoher Kompetenz hervor.

Die Prognose 2018-2020 lautet daher: Der wertmäßige Marktanteil pendelt sich bei einem guten Drittel ein. EU-Handel und -Industrie sollten mindestens genauso viel Kraft in das Halten von China stecken wie in das Suchen und Aufbauen neuer Märkte.

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Kategorien: Einkauf, featured

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