Beschaffung @ Bekleidung @ China – Sourcing Szenario 2018 (Teil 1 – deutlicher Rückgang)

Ausgangssituation 2014

Die Beschaffungslandschaft ist in Bewegung. Sehr viel wird von der weiteren Entwicklung in China abhängen. Wir haben zwei Beschaffungsszenarien entwickelt, um die Vielzahl der mitunter konträren Faktoren zu beleuchten. Die verschiedenen Standpunkte – Chancen und Risiken – stammen aus zahlreichen Beschaffungsprojekten und -reisen in den letzten 24 Monaten und aus Gesprächen mit Handel, Industrie und Produzenten.

Chinas Aufstieg 2000-2010 zum mit Abstand größten Bekleidungsproduzenten war beispiellos. Innerhalb von 10 Jahren wurde Chinas Bekleidungsindustrie in fast allen Warengruppen die Nr. 1. Ein nahezu perfekter Mix aus günstigen Lohnkosten, hoher Zuverlässigkeit und Qualität. China machte 2010 über 40% der Extra-EU-Bekleidungsimporte in die EU aus. 2013 waren es noch  35%. Bangladesch verdoppelte in diesem Zeitraum seinen Importanteil in die EU und ist jetzt zweitgrößter EU-Beschaffungspartner mit über 17% Mengenanteil.

China 2004-2013

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Teil 1: Deutlicher Rückgang (das pessimistische Szenario)

Kernbotschaft

Warum soll es China anders ergehen als vor 30 Jahren der europäischen Bekleidungsindustrie oder vor 15 Jahren der osteuropäischen? Es sind die Gesetze der Marktwirtschaft, die wirken, es hat im Falle Chinas nur relativ lange gedauert, bis sie durchschlugen. Die Anteile Chinas werden daher weiter zurückgehen und es werden nach den Anfangspreislagen auch vermehrt mittlere Preise außerhalb Chinas produziert werden, vielleicht sogar wieder europanah. Es werden sich neue Beschaffungsmärkte herausbilden, alte werden gestärkt. Es wird für Handel und Industrie differenzierter, komplexer und vermutlich auch teurer. Doch es ist eine unaufhaltsame Entwicklung. Und das sind die tragenden Argumente:

1 . „Brückentechnologie“

Die Bekleidungsproduktion war für China ein Mittel zum Zweck, um möglichst viele Menschen schnell in Arbeit zu bekommen. Die Wertschöpfung ist allerdings gering. Daher präferieren Chinas Wirtschaftsführer jetzt andere Sektoren.

2. „Offene Gesellschaft“
Die erste „Wirtschaftswunder-Generation“ hat es noch als Aufstieg empfunden, vom Acker in die Fabrik zu kommen. Jetzt geht es von der Produktion ins Büro. Die Ein-Kind-Politik fördert das zusätzlich; das Reservoir billigster Arbeitskräfte schwindet.

3. „Satte Gründergeneration“
Schwache Margen, Investitionsbedarf und kein Familien-Nachfolger! Es steht ein persönlicher Kraftakt an, das Geschäftsmodell umzubauen. Viele Produzenten verkaufen und investieren in Immobilien. Es geht massiv Kapazität aus dem Markt – auch das führt zu weiter steigenden Preisen.

4. „Weitere Lohnsteigerungen“
Die Löhne in der Bekleidungsindustrie liegen nahe am Mindestlohn. Der muss jedoch laut 5-Jahres-Plan deutlich überproportional steigen, um mit den Lebenshaltungskosten Schritt zu halten und Unruhen zu vermeiden.

5. „Knappe Ressourcen“
insbesondere bei Energie und Wasser: Gerade den Vorstufen drohen hohe Investitionen oder die Schließung. Die Preise werden auch hier steigen und die Flexibilität und Schnelligkeit leiden. Die Textilindustrie wird – zeitversetzt – der Produktion folgen.

6. „Verlagerungen“
ins Landesinnere klappen nicht wirklich: Die Hürden sind für die meisten Mittelständler zu hoch und die Kostenvorteile werden durch Zeitverluste kompensiert. Bis die Infrastruktur aufgebaut ist, sind auch hier die Kosten gestiegen.

7. „Alternativen“
werden sich weiter verbessern: Die Rückverlagerung in klassische Produktionsländer wie die Türkei, Indonesien und Indien fängt das mittlere Marktsegment auf. Osteuropa wird im Zusammenspiel mit europäischen Vormaterialien wieder zu einer attraktiven Alternative im Konfektionsbereich. Bangladesch und Kambodscha bekommen Spielraum für Lohnsteigerungen und bleiben dennoch im Massenmarkt extrem wettbewerbsfähig. Der anhaltende internationale Druck führt in diesen Risikomärkten zu
mittelfristig besseren CSR-Standards. Längerfristig und bei politischer Stabilisierung werden Pakistan, Ägypten und Äthiopien, alles Länder mit über 100 Mio. Einwohnern, zu neuen Optionen im Einstiegspreissegment.

CN 2014-2019Fazit und Prognose
Die Prognose 2019 lautet daher: China bleibt vermutlich der größte absolute Beschaffungsmarkt für Bekleidung der EU – rein aufgrund der Breite und Vielzahl der textilen Warengruppen. Es verliert aber in den einzelnen Produktgruppen weiter signifikant Anteile, insbesondere im Einstiegspreissegment. Der Anteil wird sich auf schätzungsweise 25% im Wert einpendeln, das bedeutet gemäß derzeitiger Eurostat-Zahlen eine Verlagerung von weiteren 8 Milliarden Euro und ca. 2 Milliarden Teilen allein für die EU. Handel und Industrie müssen sich darauf einstellen. Nur für vorbereitete und pro-aktive Unternehmen wird dieser Transformationsprozess in Bezug auf Marge, Qualität, Verfügbarkeit und CSR reibungslos ablaufen.

Freuen Sie in im neuen Jahr auf das Gegenszenario: Warum Chinas Bekleidungssektor nach erfolgter Konsolidierung wieder gestärkt hervorgehen wird.

Schlagwörter: , , , ,

Kategorien: Einkauf, featured

Ihr Abo für Retail Management Impulse

Damit Sie uns nächsten Monat nicht vergessen, ziehen Sie sich ein Abo. Wir melden uns in Ihrem Maileingang, wenn es spannendes Neues gibt. ihr retail intrapreneur

Es gibt noch keine Kommentare.

Ihre Meinung zu diesem Beitrag?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s