Das „hohe C“ im Multichannel-Retailing

Trompte Hohes C neues Format

Das „hohe C“ auf der Trompete zu spielen ist schon was – zumindest, wenn es gut klingen soll. Einmal, schnell und laut ,schafft auch der Musikschüler, der gerade so viel übt, dass der Musiklehrer nicht schimpft und droht, es den Eltern zu erzählen. Schön klingend und so, dass man erkennt, dass das noch längst nicht die Grenze ist, dazu braucht es viel mehr: Leidenschaft, Übung, Disziplin, die richtige Technik, die richtige Emotion und das richtige Instrument. Und der Kauf eines Instruments ist für einen Musiker etwas ganz besonderes!

Es geht um die Suche nach dem „eigenen Ton“, und die ständige Suche nach minimalen Soundverbesserungen und Gerätschaften, die es noch ein bisschen besser machen könnten. Da werden Gitarren z.B. tiefgefroren, um einen besseren Klang zu erreichen, oder „ge-aged“, d.h. mit Kratzern und Rost versehen, um wie ein 30 Jahre altes Instrument auszusehen. Tonabnehmer, die aus Kupferdraht von 1957 auf alten Maschinen handgewickelt werden, sind heißbegehrt.

Der Übergang von „kaufen“ und dem „Hobby frönen“ ist fließend. Und wahrscheinlich verwenden viele die gleiche Zeit dafür, sich nach neuem Equipment umzusehen, als das bestehende zu bespielen – ja, das ist GAS: Gear Acquiring Syndrome.

„Sage mir, was für eine Gitarre Du spielst, und ich sage Dir, wer Du bist.“ Vor dem Kauf wird getüftelt und gefachsimpelt – früher im vollgestopften Wohnzimmer-Verkauf des Händlers in der nächsten Kreisstadt – heute über alle Kanäle und Medien, vom Flagship über einen halbjährlichen Kompetenz-Katalog bis hin zum e-shop. Hier in dieser Nische finden wir aus unserer Sicht echte Multichannel Best Practices.

Allen klassischen Händlern, die e-shops aufbauen, aber auch einigen Pure-Playern, die sich fragen, was „Content-Management“ und „Customer Care“ wirklich umfassen kann, sei ein Blick auf die Homepages von z.B. session.de, music-store.de  oder thomann.de empfohlen. Letzterer ist übrigens auch Versender des Jahres 2010. Auch wenn einige der Seiten im Shop sich durch ein bisschen zu viel des Guten auszeichnen, sprich wie der Musikalien-Händler vor 30 Jahren, der Instrumente bis unter die Decke hängt, zeigen diese Unternehmen, was einen 360-Grad-Kompetenzansatz ausmacht, um diese anspruchsvolle Klientel zu erreichen. Dagegen sieht Amazon schon wirklich sehr alt aus – ist zugegeben natürlich auch ein anderes Konzept.

Hier einige Beispiele, warum hier einige Player den Markt wirklich im Griff haben und sogar sehr erfolgreich ein europäisches Geschäft bzw. Filialnetze aufbauen könnten. Hier wird No-Line praktiziert:

  • Themenwochen und Hausmessen mit Produktvorführungen gemeinsam mit den Herstellern und noch wichtiger: mit  z.T. in der Szene hochangesehenen Musikern. Eine Mischung aus Clubkonzert, Insider-Treffen und Verkaufsveranstaltung. Natürlich dann auch im Netz anschaubar.
  • Flohmärkte, Kleinanzeigen (auch z.B. Band sucht Keyboarder…), Inzahlungnahme, Kredit- und Ratenzahlungen. Schließlich gibt es ein großes Rein und Raus im Equipment und einen Bedarf, sein „altes“ Zeug wieder gut loszuwerden.
  • Reparatur-Service wird auch mal „verschlimmbessert“ und es muss rückgebaut werden
  • Online-Ratgeber, gerade für Ein- und Aufsteiger werden Basisinformationen und Tipps & Tricks beschrieben, teilweise mit Clips.
  • Telefon-Hotlines mit Experten stehen zur Verfügung – vermutlich ehemalige GAS, die hier endlich gegen Bezahlung klönen können.
  • Umfangreiche Produktvideos und Soundfiles. Sympathisch-authentisch vom Store-Verkaufspersonal vorgeführt, inkl. kleiner Versprecher.
  • Ausführliche Erfahrungsberichte und Bewertungen von Kunden, die wirklich helfen. Das ist das Glück, wenn der eine GAS dem anderen GAS (und sich selbst) erklären will, dass der Kauf wirklich notwendig war!
  • Intensives Antesten nicht nur im Store. 30 Tage Testmöglichkeit und volles Umtauschrecht, daher auch immer gut gefüllte Schnäppchen-Deals und attraktiver B-Shop.

Das dahinter mittlerweile große Mittelständler und eine sehr professionelle Logistik stehen, ist selbstverständlich – bei Musicstore in Köln werden Sie nach dem Bezahlen an der Kasse mit einem Nummerndisplay aufgerufen und holen dann die Ware ab. Fühlt sich erst an wie bei IKEA, ändert sich dann aber sofort wieder, wenn der Lagermitarbeiter (natürlich nach Produktgruppen organisiert) beim Aushändigen der Ware von seinen Erfahrungen mit der gleichen Gitarre berichtet und dann noch schnell mitkommt, die Ware in den Kombi einzupacken. So wird ein bisschen das vertraute Wohnzimmer zurück vermittelt, denn bei aller Professionalität ist die Klammer „von Musikern für Musikern“ stets zu spüren.

Natürlich kann man nicht alles 1:1 übertragen, doch hier erlebt man, was mit Multichannel wirklich gemeint ist, und wie der Kunde den Mehrwert spürt.

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Kategorien: Intrapreneurship

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