Change-Management Werkzeuge: Workshop-Design

„Wie war es denn heute Nachmittag, Liebling – hast du deinen Workshop für morgen fertig vorbereitet?“ Huber lässt sich in den Sessel fallen. „Ja, alles klar. Der Raum ist organisiert, es gibt Fingerfood – wir haben sogar an die Vegetarier gedacht. Die Technik ist bereits im Raum und die Agenda ist verschickt. Und bislang hat auch niemand abgesagt. Also alles o.k.“ Huber hatte den Tag zu Hause verbracht, um den Workshop vorzubereiten, und war froh, dass er alle Präsentationen jetzt vorliegen hatte. Er hatte auch noch ein bisschen an seiner eigenen Unterlage weitergearbeitet. Kurz: Er fühlt sich gut vorbereitet.

„Wer kommt eigentlich morgen alles zu dem Workshop?“ fragt seine Frau weiter. „Ach, nur eine kleine Runde, Einkaufsleiter Müller ist dabei, der Controller Hach und noch vier Abteilungsleiter aus beiden Bereichen,“ antwortet Huber. „Und was wollt ihr im Workshop machen?“ hakt sie weiter nach. Huber wiederholt das Ziel aus seiner Workshop-Einladung: „Wir wollen die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens durch Fokussierung bei den Categories erhöhen.“ Sie schaut verblüfft: „Wie, und das schafft ihr in einem Workshop? Hast du nicht letztens erzählt, dass Müller vor sechs Monaten das neue Sortiment ‚Freizeit‘ gerade hinzugenommen und euer Controller schon damals gemeckert hat? Will Müller denn jetzt auch fokussieren?“ – „Aber darum soll ja genau dieser Workshop gehen,“ kontert Huber, „damit wir die Fokussierung bei den Categories endlich auch machen.“ – „Na, dann wird das ja ein lustiger Tag morgen,“ kommentiert seine Frau und geht hinaus auf die Terrasse, um die Blumen zu gießen.

Frau gießt Blumen für BlogHuber stellt sich vor, wie der Workshop morgen beginnt, sieht Müller vor sich sitzen, mit verschränkten Armen. Seine Frau hat wie immer einen wunden Punkt getroffen. Nur weil die Unternehmensleitung das Projekt „Fokussierung“ verkündet hat, wird Müller nicht plötzlich seine Meinung ändern und Controller Hach hält diese ganze Sortimentsdiskussion, was der Konsument als kompetent empfindet u.s.w., sowieso für überflüssig. Seine Zahlen sagen die Wahrheit und da sieht man, was läuft und was nicht. Und so würden sie sicher auch morgen im Workshop stecken bleiben. Das bislang verkündete Workshopziel kann gar nicht erreicht werden. Huber nimmt sich noch einmal den Workshop vor und notiert alle möglichen Ziele. Dann sortiert er sie nach „Direktes Workshopziel“ (also abends erreicht) und „Indirektes Workshopziel“ (kann nicht direkt erreicht werden, aber Workshop ist wichtiger Meilenstein für das Ziel). Dann differenziert er noch zwischen den „Sachlichen / Inhaltlichen Zielen“ (z.B. jeder kennt die Zahlen) und den „Persönlichen / Emotionalen Zielen“ (z.B. jeder fühlt seine Argumente wertgeschätzt). Es ergibt eine Matrix. Huber stellt fest, dass er die Agenda nicht ausreichend darauf ausgerichtet hat, dass Einkauf und Controlling das gleiche Verständnis haben, und es mit der bisherigen Agenda auch unwahrscheinlich ist, dass nachhaltige Ziele am Abend verabschiedet werden. Damit das gelingt, braucht es erst mal eine gemeinsame Bewertung der Ausgangssituation. Hach wird die Zahlen darstellen, aber die Bewertung müssen sie gemeinsam vornehmen. Und das will vorbereitet sein. Außerdem muss Hach verstehen, warum der Einkauf neue Sortimente hinzunehmen will. Hier müssen Fragen entwickelt werden, bei deren Beantwortung Hach mitarbeiten muss, um sich in die Welt der Sortimentsstrategie hineinzudenken.

Huber wird klar, dass die Zeit morgen ganz schön knapp wird und er sogar prüfen muss, ob wirklich morgen schon eine Verabschiedung der Ziele erfolgen kann. Und er stellt fest, dass es nicht mehr viel Zeit ist bis morgen und er noch einiges im Workshopdesign ändern muss. Er geht zu seiner Frau auf die Terrasse, gibt ihr einen Kuss und brummt: „Ich geh‘ noch mal ins Arbeitszimmer, muss noch was anpassen.“ Beide lachen, da es ihr mal wieder gelungen ist, mit einer Frage einen Denkprozess bei ihm in Gang zu setzen.

Und Huber hat wieder ein neues Workshopwerkzeug: seine Workshop- Ziele-Matrix.

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Kategorien: Intrapreneurship, Strategie, Veränderungs-Mngnt, Vertrieb

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One Comment - “Change-Management Werkzeuge: Workshop-Design”

  1. Nikola
    10. Juni 2013 um 13:49 #

    Sehr schöner und zutreffender Beitrag – einschließlich der Auswahl von Frau Huber….

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