Die Baumwollpreise steigen wieder – Nach der Krise ist vor der Krise!

Das Pfund Baumwolle wird derzeit etwa zu 82 US Ct. pro Pfund gehandelt. Der Wert liegt oberhalb des langjährigen Mittel, allerdings sehr deutlich unterhalb des Rekordwertes von fast 230 US Ct. pro Pfund im März 2011. Damit ist die derzeitige Situation für viele Händler zwar angespannt, aber nicht bedrohlich. Im Moment sind die Händler eher damit beschäftigt, sich um die schlechten Umsätze, den nachhaltigen Frequenzrückgang und die zu hohen Bestände zu kümmern.

Baumwolle Preis Entwicklung Krise Chart

Grafik: Preisentwicklung Baumwolle (Quelle: Indexmundi)

Doch das könnte sich schon bald wieder ändern. Die Preise für Baumwolle sollen wieder steigen – und zwar nicht nur leicht, sondern ganz dramatisch. Der Ausblick für die kommende Baumwoll-Saison 2013/2014 zeig, dass die Bauwollpreise gemäß Cotlook A-Index auf 122 US Ct. Pro Pfund steigen sollen. Grund sind sinkende Produktionsmengen und steigende Baumwollbedarfe. Was bedeutet dieser erwartete Preisanstieg von fast 40% für die Beschaffung?

Ausblick Preis Baumwolle 2014

Grafik: Erwartete Preisentwicklung (Saisondurchschnitt) von Baumwolle gemäß Cotlook A-Index (Quelle: Cotlook)

Die Einstands-Margen werden erheblich unter Druck geraten. Während der letzten Baumwoll-Krise 2010/2011 haben viele Beschaffer alle Register gezogen. Beschaffungsvolumina wurden von Osteuropa und der Türkei nach Fernost verlagert, innerhalb von Asien fand eine Verlagerung von China in die billigsten Länder der Region wie Bangladesch, Kambodscha und Pakistan statt. Einige Abteilungen beschaffen mittlerweile bis zu 60% ihrer Ware aus Bangladesch. Ein Wert, der vor der Krise nicht denkbar gewesen wäre und heute vor dem Hintergrund der politischen und sozialen Entwicklung in Bangladesch vielen Verantwortlichen den Angstschweiß auf die Stirn treten lässt. Zudem wurden Lieferantenportfolios gestrafft, Volumina gebündelt und härter verhandelt. Natürlich wurde auch am Produkt gearbeitet, z.T. wurden Produkte einfacher oder die Qualitäten wurden heruntergeschraubt. So konnten die Verluste in der Marge zumindest begrenzt, wenn auch nicht vollständig aufgefangen werden.

Viele dieser Maßnahmen wurden auch nach der Krise beibehalten und haben geholfen, die Umsatzkrisen der letzten 12 Monate besser zu verkraften. Mit dem neuerlichen Anstieg der Baumwollpreise wird die Luft nun dünner. Es steht zu befürchten, dass die Preissteigerungen bei vielen Unternehmen direkt auf die Marge durchschlagen werden, da sich bei vielen Unternehmen die Verkaufspreise nicht in dem erforderlichen Maß steigern lassen.

In einer Überschlagsrechnung wird sich die Preissteigerung wie folgt auswirken: Ein Produkt kostet bei einem vertikalen Händler 19,95 EUR VK, darin sind 70,0% Einstands-Marge enthalten. Der FOB-Preis liegt bei 3,99 EUR und der Anteil des Fabric liegt bei 1,29 EUR. Geht man davon aus, dass der VK-Preis konstant bleibt und die Baumwollpreise um 40% steigen, dann ist ein Anstieg des Fabric-Preises um 20% realistisch. Damit steigt der Preis des Fabric von 1,29 EUR auf 1,55 EUR, der FOB steigt entsprechend auf 4,25 EUR. Die Marge sinkt von 70,0% um 1,9%-Pkte. auf 68,1%.

Marge Baumwolle Preissteigerung Bekleidung

Grafik 3: Margeneffekt durch Baumwoll-Preis-Anstieg (Quelle: TReE-Berechnung)

Um diesen erheblichen Margenverlust auszugleichen, müsste ein Unternehmen mit 100 Mio. EUR Umsatz bereits an anderer Stelle fast 2,0 Mio. EUR Kosten sparen, wenn das Unternehmensergebnis gehalten werden soll. Auf die Unternehmen der Textil- und Bekleidungsindustrie könnten also schon wieder schwere Zeiten zukommen. Nach der Krise ist vor der Krise – und auch wenn die Vorlaufzeiten in der Beschaffung lang sind, müssen Unternehmen schon jetzt überlegen, wie sie mit der aufkommenden Situation umgehen wollen, denn die Möglichkeiten der Quick-Wins sind vorbei und wirkungsvolle Gegenmaßnahmen müssen gut vorbereitet sein.

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Kategorien: Intrapreneurship

Autor:Hagen Decker

Corporate Developer at Team Retail Excellence

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