Nachhaltige Veränderung für die Beschaffung

Werden die Einkaufsverantwortlichen Recht behalten? Wenn ja, dann steht den Beschaffungsabteilungen für Bekleidung eine nachhaltige Veränderung bevor. Dies geht aus der Sourcing-Studie 2012 „Retail Excellence beginnt in der Beschaffung“ hervor. Die größten Veränderungen werden in den nächsten Jahren bei „Nachhaltigkeit, Umwelt- und Sozialstandards“ erwartet. Dies zeigt die Bedeutung, die Nachhaltigkeit für Unternehmen mittlerweile hat.


Grafik: Antwort auf „Bitte geben Sie an, in welchen Bereichen Sie in den nächsten ein bis zwei Jahren die größten
Veränderungen erwarten (1: keine Veränderungen; 5: grundlegende Veränderungen).“ der TReE Sourcing-Studie 2012.

Knapp gesagt geht es bei Nachhaltigkeit darum, welche ökologischen und sozialen Belastungen aus der Herstellung eines Produktes entstehen. Fragen, die in den komplizierten Themenkomplex hineinspielen, sind z.B.: Welche Arbeitsbedingungen haben bei der Herstellung geherrscht? Wie ressourcenschonend wurde das Produkt gefertigt? Wurde die Umwelt durch Chemikalien belastet? Welche Emissionen sind beim Transport entstanden? Wie ist die Verpackung unter ökologischen Aspekten zu beurteilen? Wie lässt sich ein Produkt am Ende seines Lebenszyklusses recyceln?

Die Grundlagen für eine soziale oder ökologische Belastung  werden in zwei Bereichen der textilen Beschaffung gelegt

1. Produktentwicklung
Produktentwicklung und Einkauf müssen gemeinsam sicherstellen, dass die relevanten Faktoren für jedes Produkt in den Produktentwicklungsprozessen sowie in den Einkaufsverhandlungen berücksichtigt werden.
2. Produktion und Supply Chain
Über die gesamte Produktpalette hinweg dürfen keine Verstöße gegen die festgelegten Kriterien auftreten. Dabei reichen die Anforderungen von den Vorstufen über die Produzenten und ggf. deren Subunternehmer bis hin zu den Logistikunternehmen, also entlang der gesamten textilen Kette.

Die Anforderungen aus diesen beiden Aspekten sind für den Einkauf höchst herausfordernd. In vielen Fällen konkurrieren sie mit den klassischen Zielen der Abteilung wie beispielsweise Preis und Lieferzeit, was leicht zu absurden Situationen führen kann:

  • Eine Marke beschließt, die Arbeitsbedingungen seiner Lieferanten zu verbessern. Wegen der hohen Temperaturen in der Fertigung müssen bei einem T-Shirt Lieferanten in Bangladesch Klimaanlagen angeschafft werden. Gleichzeitig müssen der CO²-Footprint verbessert und der Energiebedarf gesenkt werden. Der Lieferant sitzt in einer Falle und schaltet die Klimaanlagen ab, sobald die Einkäufer und Auditierungsteams abgereist sind.
  • Im Zuge nachhaltiger Produktion soll Energie aus Solarpanels gewonnen werden. Der Denim-Lieferant stimmt zu, nimmt Geld in die Hand und installiert die Panels auf dem Dach seiner Fabrik in Pakistan. Wenige Wochen später ist der Einkäufer wieder bei dem Lieferanten und verlangt eine pauschale Preissenkung um 10%, weil die Abverkäufe von Jeans in Europa schlecht sind.
  • Teil eines Nachhaltigkeitsprojektes ist, ausschließlich Baumwolle „Cotton Made in Africa“ zu verwenden. Aufgrund der großen Mengen muss die Bekleidungs-Produktion in China erfolgen. Dort ist die CMiA-Baumwolle nicht in ausreichender Menge verfügbar und die Lead Times verlängern sich. Nicht zu reden von den erhöhten Transportkosten bei der Rohware sowie dem erhöhten CO²-Ausstoß durch den zusätzlichen Transport.

Um solche Situationen zu vermeiden, muss eine zentrale Frage beantwortet werden: Wie stark soll Nachhaltigkeit im Unternehmen verankert sein? Und konkreter: Dürfen Lieferanten Nachhaltigkeit „lernen“ oder können nur neue Lieferanten aufgenommen werden, die bereits optimal aufgestellt sind? Ist die Konzentration auf bestimmte Lieferanten vertretbar, um den Nachhaltigkeitsansprüchen gerecht zu werden? Ist man bereit, für einen besseren CO²-Footprint die Flexibilität (kleinere Mengen und mehr Sendungen, ggf. Luftfracht) zu reduzieren? Und nicht zuletzt: Bis zu welchen Mehrkosten ist Nachhaltigkeit vertretbar und am Markt durchsetzbar?

„Vertical Sourcing“ bietet dazu eine gute Orientierung. Die Bedeutung fünf beschaffungsrelevanter Kriterien – Flexibilität, Verfügbarkeit, Preis, Themenkompetenz und Nachhaltigkeit – wird zueinander gewichtet. Das Management erhält so einen Überblick über die Priorität der Kriterien. Damit lassen sich die erforderlichen Prozesse und Tools, die Organisation und Verantwortlichkeiten definieren.

Grafik: Abwägung der einkaufsrelevanten Kriterien innerhalb des „Vertical Sourcing“-
Ansatzes (Beispiel); Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung.

Aus der wachsenden Bedeutung der Nachhaltigkeit ergibt sich eine Reihe von Veränderungen. Jede Veränderung für sich stellt keine besondere Schwierigkeit dar. Die Summe der Anpassungen sowie die erforderliche Umsetzung für alle Produkte und entlang der gesamten Wertschöpfungskette aber ist eine riesige Herausforderung. Neben technischen und prozessualen Anpassungen bedingt sie auch ein fundamentales – nachhaltiges – Umdenken in der Produktentwicklung und im Einkauf. Eine Checklist steht hier zum Download bereit. Checklist_Nachhaltige Veränderung Beschaffung_TReE

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Kategorien: Einkauf, Veränderungs-Mngnt

Autor:Hagen Decker

Corporate Developer at Team Retail Excellence

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