Zu Gast bei Krämers: Individuelles in Berlin

Autoren: Marcus Sewtz / Denitza Weismantel

Tante Emma und Onkel Krämer betreiben eine Boutique im Ruhrpott und sind Einzelhändler mit Leib und Seele. Gerne unterhalten sie sich über Besonderheiten oder neuste Entwicklungen im Handel zumeist beim Abendbrot. Diesmal berichtet Tante Emma (TE) ihrem Mann Onkel Krämer (OK) über das, was Sie bei ihrem alljährlichen Wochenendausflug mit ihren Kegelfreundinnen in Berlin so gesehen hat.

OK: Und, wie war Deine Tour mit den Mädels? Habt Ihr großen Schaden angerichtet?

TE: Nein, kaum was eingekauft, aber es war spannend und anstrengend…

OK: Wo wart ihr denn so überall?

TE: Zuerst waren wir bei Desigual, dem spanischen Modeladen. So ein schönes Geschäft haben sie in Berlin. Und eine Schneiderei mittendrin…

OK: Du meinst eine Änderungsschneiderei?

TE: Nicht ganz. Sie haben im Laden eine dekorative Nähstube hingestellt, mit Nähmaschine und allem was dazu gehört. Du kaufst was im Geschäft und kannst es dort verschönern lassen – einen bunten Flicken draufmachen oder Fransen oder was auch immer, einfach etwas was sonst keiner hat.

OK: Wozu das denn?

TE: Na, du bekommst dann dein eigenes, ganz persönliches Desigual-Teil – finde ich gut in dem Modeeinerlei, das man heutzutage überall sieht. Schließlich will man sich ja abheben, mehr Individualität

OK: Ach komm, es wird gegessen was auf den Tisch kommt…

TE: … oder was der Kunde sich selbst kocht.

OK: Was meinst Du denn damit?

TE: In der bunten Schokowelt von Ritter Sport kannst du deine eigene Schokosorte mischen – Vollmilch mit … zum Beispiel Gummibärchen oder … wonach dir gerade ist. Natürlich kostet das mehr als die Standardsorten, aber die Leute stehen Schlange bis auf die Straße.

OK: Das mag vielleicht bei Schokolade funktionieren. Aber wie sieht es bei anderen Produkten aus?

TE: Na dann erzähl ich dir mal von Frau Tonis Parfum. Das ist eine Parfummanufaktur ganz in der Nähe von Checkpoint Charlie. Ein wunderschönes Geschäft! In der Mitte steht ein Tisch mit über 20 verschiedenen Düften, man will da sofort zugreifen. Der Clou ist, man kann sie einzeln kaufen oder mischen, seinen eigenen Duft kreieren. Ich habe übrigens schon lange kein Geschenk mehr von dir bekommen…

OK: Das braucht doch kein Mensch – ich mein das mit dem Duft. Bei Douglas kann man doch Hunderte von Düften fertig kaufen…

TE: Das ist was ganz anderes. Übrigens entscheiden sich etwa 40% der Kunden bei Frau Tonis Parfum für einen eigenen Duft, und es werden immer mehr, und die meisten kommen immer wieder.

OK: Emma, das geht vielleicht bei so einem kleinen Laden, aber das kann man sich doch nicht bei einem Massenanbieter vorstellen.

TE: Doch doch, schon mal von NikeID gehört? Wohl kaum, Du Sportskanone. Da kannst Du deine eigenen Turnschuhe designen. Oder schau dir doch mal den Mini von Deiner Tochter an. Die konnte da aus hunderten von Farb- und Detailkombinationen ihr Auto designen.

OK: Hm, warten wir es ab. Es wird lange nicht so heiß gegessen wie es gekocht wird.

TE: Lange müssen wir da wohl nicht warten, mein Lieber. Wenn ich mich daran erinnere, dass Du vor fünf Jahren noch nicht wusstest wie Internet geschrieben wird, bringt der Postbote heute schon ziemlich viele Päckchen von Amazon zu uns.

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Kategorien: Strategie, Vertrieb

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