EU-Sourcing Trends 2011: China verliert Marktanteile an seine Verfolger (Teil 1/2)

Was hat sich im „unruhigen“ Beschaffungsjahr 2011 alles getan? Wie sind die europäischen Händler und Marken mit den Veränderungen der Beschaffungsmärkte umgegangen? Welche Länder profitieren, welche stehen unter Druck? Die Trends der USA haben wir im Blog bereits vorgestellt – da deuteten sich erste Überraschungen und Verschiebungen im Sourcing an. Nun haben wir die Trends und Entwicklungen der wichtigsten Beschaffungsmärkte für Bekleidung der EU analysiert.

Die Bekleidungsimporte in die EU15 der Warengruppen 61 und 62 (Strick-, Wirk- und Webwaren) sind 2011 deutlich um 8,2% angestiegen, nach einem jährlichen Wachstum von nur 2% in den Jahren 2006 bis 2010. Offenbar hat die Beschaffungsmarktkrise zu einer schnellen, weiteren Verlagerung der Beschaffung in das nicht-europäische Ausland geführt.

Gleichzeitig ist zu beobachten, dass die Dominanz Chinas etwas abgenommen hat. Zwar konnten die Importe in absoluten Zahlen weiter zunehmen, doch konnten die „Verfolger“ stärker wachsen. Die Marktanteile der Top 2-5 sowie der Top 6-15 Länder sind gestiegen und haben die Anteile von China übernommen. Der Anteil der übrigen Länder ist annähernd unverändert, in der Gesamtheit konnten sie offenbar nicht überproportional profitieren. Dennoch gibt es gerade in dieser Gruppe überraschende Entwicklungen, die einen Blick hinaus über den normalen Tellerrand der Beschaffung erforderlich machen.

Unter den Top 10 Beschaffungsländern finden sich nur „alte Bekannte“. Hier haben sich 2011 kaum gravierende Verschiebungen ergeben.

Ein erster Dämpfer: China
China hat 2011 zwar absolut betrachtet immer noch einen Zuwachs von 1,1 Mrd. € auf 28,6 Mrd. € bei seinen Bekleidungsexporten in die EU erzielt. Jedoch zeigt sich, dass diese Steigerung mit 4% ggü. Vorjahr erstmalig seit 2004 deutlich unterhalb des Gesamt-EU-Anstiegs mit 8,2% lag. Bei den noch nicht korrekt vorliegenden Mengen der EU-Statistiker vermuten wir aufgrund des starken Ansteigens der Beschaffungspreise sogar einen absoluten Rückgang. Dadurch ist der Anteil Chinas an den EU-Importen für Bekleidung von 41% 2010 auf nunmehr 39,4% um 1,6 Prozentpunkte zurückgegangen.

Bei Wirk und Strick (Cat 61) war der Rückgang mit 1,7 Prozentpunkten sogar noch etwas stärker als bei Webwaren (Cat 62).

Es bleibt letztlich im Bereich der Spekulation, ob dies durch die immer stärker durchschlagenden Lohnkosten verursacht wurde oder durch die in der Krise 2009 vom Markt genommenen Kapazitäten bzw. eine Inlandsorientierung der Produzenten zu erklären ist. Es ist wahrscheinlich eine Kombination verschiedener Effekte, die 2011 gegen den Bekleidungsgiganten gesprochen haben. Fakt ist: China verlor 2010 erstmalig an „Wettbewerbsfähigkeit“ bei Bekleidung. Der Süden bzw. die Küste werden zu teuer bzw. die Arbeiter wandern in attraktivere Branchen ab, und die inneren Provinzen sind noch nicht für westeuropäisches Niveau ausgelegt. Das bestätigen uns auch viele Beschaffungsverantwortliche, die mit unterschiedlicher Intensität jetzt verstärkt nach Beschaffungsalternativen suchen. Vor ein bis zwei Jahren war der Tenor noch „Es wird teurer, aber es gibt kaum Beschaffungsoptionen.“ In den letzten 12 Monaten haben wir in verschiedenen Projekten die Beschaffung „China-unabhängiger“ gemacht und die organisatorischen Voraussetzungen dafür intern geschaffen. Durch konstant steigende Kosten in China steigen auch die möglichen Alternativen: Ehemals zu teure Länder gleichen sich mit China an, und Niedriglohnländer werden trotz Risiken noch begehrlicher. Rumänien liegt nahezu auf Südchina-Niveau, und in Bangladesch ist die Lohnminute nur fast halb so teuer. Doch trotz aller Anzeichen – ein deutlicher Abschwung ist kaum zu erwarten: 70% der von uns kürzlich befragten Einkaufsverantwortlichen gehen davon aus, dass Chinas Dominanz in den nächsten fünf Jahren ungebrochen bleibt.

Wie sieht es mit dem Rest der Beschaffungswelt aus? Begleiten Sie uns weiter und lesen Sie mehr über die Entwicklungen der Beschaffungsmärkte in 2011.

 

In Kürze folgt Teil 2:
EU-Sourcing-Trends 2011: Verfolger, ewige Hoffnungsträger und ein Licht am Ende des Tunnels (Teil 2/2)

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Kategorien: Einkauf, Intrapreneurship

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