Changemanagement Werkzeuge: Prozess-Management

Wie war es denn, Liebling?

Auf dem Heimweg lässt Huber den Workshop Revue passieren. Seine Frau wird kritisch fragen, denn seit seinem Neustart als Change Manager ist ihr Interesse an seinem Job gestiegen. Und richtig: „Wie war es denn, Liebling?“ Huber schmunzelt über die Frage, mit der sie auch die Kinder quält, wenn sie aus der Schule kommen. Er beginnt: „Der Workshop war eine Achterbahnfahrt, die Stimmung war zwischendurch schlecht und zeitweilig wusste ich nicht, ob es ein gutes Ende nimmt. Dabei ging es nur um die Aufnahme der Ist-Prozesse im Einkauf.“ Seine Frau runzelt die Stirn: „Ist-Prozesse? Geht es noch spannender? Und dafür hältst du hoch bezahlte Einkaufsmanager in einem Workshop fest?“ Huber lacht: „Das hab‘ ich mir auch anhören müssen. Nach zähem Start über die Ist-Abläufe blickte ich schnell in mehrheitlich grimmige Gesichter. Der Müller ist total explodiert: ’Wir nehmen die blöden Einkaufsprozesse auf und stellen so spannende Dinge fest wie dass die Qualitätsprüfung nach der Warenanlieferung kommt!'“ Hubers Frau nickt: „Sage ich doch!“ –  „Na ja,“ erläutert Huber, „das Ziel war nun mal, die vielen Dissonanzen und Ineffizienzen herauszuarbeiten, den Change Prozess vorzubereiten, doch mit Müllers verbaler Explosion stand das Thema auf der Kippe. Andererseits, ich war sicher, dass einige schweigende Teilnehmer sehr wohl auf meiner Seite waren“

„Jetzt gab es nur eins, ich brauchte eine Analoge Intervention.“ „Analoge Intervention?“, fragt seine Frau. „Ja, Analoge Intervention nutzt man z.B., um Positionen räumlich sichtbar zu machen. Ich markierte mittels Klebeband eine Linie auf dem Boden mit der Skalierung von 0 bis 10, ein Zufriedenheitskontinuum sozusagen. Die Teilnehmer positionierten sich auf ihrem persönlichen Stimmungspunkt und erklärten, wie wertvoll sie die Prozess-Diskussion persönlich erlebten. Es passierte, was zumeist bei dieser Form der Interventionen passiert: Die stillen Teilnehmer und ihre Positionen werden sichtbar, der Abstand der Perspektiven untereinander begreifbar. Und, Überraschung, die Mehrzahl war gar nicht unzufrieden über die Diskussion und den Verlauf. Mehr noch: Müller stand ziemlich alleine da. Ich fragte alle Teilnehmer nach ihrem Urteil, und von da an kippte die Stimmung zum Positiven. Die Teilnehmer sprachen sich fast einhellig für die Fortsetzung der begonnenen Prozess-Diskussion aus.“ – „Da hattest du aber Glück,“ sagt Hubers Frau, „das hätte auch schief gehen können.“ – „Nein, nicht wirklich”, antwortet ihr Mann. „Wenn alle unzufrieden gewesen wären, wäre die Interventionstechnik auch gut gewesen, es hätte mir geholfen, Klarheit zu schaffen und über andere Lösungsansätze zu reden. Die räumliche Aufstellung hat allen, auch mir, transportiert, dass wir, aus unterschiedlichen Perspektiven, einen hohen Nutzen an der begonnenen Diskussion haben.“

„Nach der Kaffeepause machten wir weiter, und dann bekam auch Müller noch sein persönliches Highlight. Die Buchhaltung berichtete über Lieferterminverschiebung und Teillieferungen, die der Einkauf auslöst, und dass eine Terminveränderung allein 19 Prozesse auslöst. Müller wurde blass: ’Wie bitte? Warum ist das so aufwändig?’ Ruhig erklärte Frau Heisig alle Prozess-Schritte, die Eingaben, die Prüfungen, die Stornierungen. Müller gestand: ’Ganz ehrlich, Sie glauben nicht, wie oft wir ohne groß nachzudenken Liefertermine verschieben. Hätte ich gewusst, was das auslöst, hätten wir viel Aufwand vermeiden können. Herr Huber, ich ziehe hiermit meine Kritik zurück. Dieses Thema war den Tag wert.’“ Huber schaut zufrieden zu seiner Frau und bekommt eine weitere Bestätigung von ihr: „Analoge Intervention, was für ein Wortgetüm, aber es hat sich ausgezahlt.“ – „Um ehrlich zu sein,“ antwortet ihr Mann, „einen Moment war ich nicht sicher, aber ich war froh, dass ich die Aufstellung als Instrument einsetzen konnte und darüber die Sicherheit fand, konsequent an meiner Prozessmethode festzuhalten.“

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Kategorien: Intrapreneurship, Veränderungs-Mngnt

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One Comment - “Changemanagement Werkzeuge: Prozess-Management”

  1. 2. April 2012 um 08:45 #

    Die Idee der analogen Intervention ist wirklich sensationell. Neben der „öffentlichen“ Visualisierung der STANDPUNKTE und der Unterbrechung der „festgefahrenen“ Diskussion, ist auch der Aspekt der RITUALISIERUNG gruppendynamisch wertvoll. ALLE stehen GEMEINSAM auf EINER LINIE- wenn auch an unterschiedlichen Positionen. Danke für diesen wertvollen Input! Dietmar Dahmen

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