Social Responsibility in der globalen Lieferkette

Jan Eggert, Generalsekretär FTA, Brüssel

Jan Eggert, Generalsekretär der Foreign Trade Association (FTA) als Dachorganisation Business Social Compliance Initiative (BSCI), über die Ziele und Aufgaben der Organisation und ihrer mittlerweile über 700 Mitglieder. Welche Herausforderungen kommen auf die Mitglieder zu, und wie lässt sich das mit knallhartem globalen Wettbewerb in Einklang bringen?

 

 

retail intrapreneur: Beschaffung ist teurer geworden. Haben wir lohnsteigerungen in asien auch den initiativen zur social Compliance zu verdanken? ist das, überspitzt gesagt, der preis für soziale verantwortung?

Jan Eggert: Das würde die Arbeit der Social-Compliance-Initiativen überschätzen. Die derzeitigen Kostensteigerungen in Asien gehen vor allem auf eine Rohstoff- und Arbeitskräfteverknappung zurück. Zusätzlich setzen Regierungen, wie zum Beispiel in Bangladesch, lange notwendige Steigerungen des Minimumlohns jetzt um. Und das war überfällig.

Was tun sie in der BSCI, um Corporate Social Responsibility zu verbessern? Was erwarten sie von den Mitgliedern?

Es geht uns um die Einhaltung und nachhaltige Verbesserung der sozialen Standards in der internationalen Lieferkette. Wir erwarten von unseren Mitgliedern ein klares und aktives Commitment. So müssen z.B. innerhalb von drei Jahren mindestens 2/3 der Lieferanten in den Risikoländern in einen Auditierungs- und Verbesserungsprozess einbezogen sein. Vor allem den offensichtlichsten und schlimmsten Verstößen gegen internationale Normen und nationale Gesetze, Kinder- oder Zwangsarbeit zum Beispiel, wollen wir so entschieden entgegenwirken. Es geht daher auch um Sanktionen, wenn der Lieferant dauerhaft nicht kooperiert. Auch Mitgliedsfirmen werden verwarnt oder sogar ausgeschlossen, wenn die Bereitschaft zum Engagement dauerhaft nicht erkennbar ist. Wir sind kein Alibi-Verein und werden da auch als Organisation zunehmend konsequenter.

Was sind die Erfolgskriterien für eine nachhaltige Verbesserung in den Lieferländern?

BSCI kann eine wichtige Initialzündung in den Lieferländern herbeiführen. Die Akteure in den Ländern müssen jedoch die Verantwortung stärker übernehmen und selbst dafür sorgen, dass die international anerkannten Sozialstandards, wie sie von der ILO (International Labour Organization) formuliert worden sind, umgesetzt werden. Dieses Vorgehen ist durchaus vergleichbar mit dem Prozess der Qualitätssicherung: Aufklärung, Bewusstsein schaffen, Vermeidung von Risiken. Das sind immer die effektiveren Instrumente – effektiver als Kontrolle und das Beheben von Mängeln und Fehlern, wenn es bereits zu spät ist.

Wie lassen sich aus ihrer Sicht professionelles Einkaufsmanagement und CSR in Einklang bringen?

Ein Spannungsverhältnis für viele Unternehmen. Haupteinkaufskriterien sind gute Qualität, guter Preis und zeittreue Lieferung. Vordergründig scheint CSR damit nicht in Einklang zu stehen. Wichtig ist, dass die Unternehmen Ihre Verantwortung und Ziele klar definieren und in ihr Einkaufsmanagement integrieren. Nachhaltigkeit muss ein Kriterium bei der Beschaffung sein und natürlich auch bei der Bewertung der Leistung von Einkäufern. Das setzt aber im oberen Management an und kann nicht von einer Stabsstelle im Qualitätsmanagement geleistet werden.

Einige große Händler starten Piloten, um Lieferanten in verschiedenen Bereichen weiterzuentwickeln. Kann Nachhaltigkeit und die Fähigkeit von Firmen, Lieferanten technisch und sozial weiterzuentwickeln, zu einem Wettbewerbsfaktor werden? Sozusagen Lieferanten-Bindungs-Management?

Mittlerweile ist Social Responsibility auch ein Wettbewerbsfaktor geworden. Es wird für jedes Unternehmen darauf ankommen, die Beziehung zu seinen Lieferanten so zu gestalten, dass nicht nur ökonomische Kriterien im Vordergrund stehen, sondern dass die Aspekte von CSR und Nachhaltigkeit mit einbezogen sind. Jedes Handelsunternehmen steht in der Verantwortung, sich um die „soziale Qualität“ seiner Lieferanten zu kümmern. Jedoch spüren wir auch: Unsere Mitglieder stehen verstärkt im Wettbewerb zur asiatischen Inlandsnachfrage und da kann kurzfristig ein Produzent auch Entscheidungen gegen europäische Kunden und gegen Transparenz bei den Arbeitsbedingungen treffen. Hier zeigt sich wieder: Allein aus Europa heraus sind Gesellschaften nicht veränderbar.

Das Gespräch führte Oliver Schlömann. Er ist Unternehmensentwickler bei Team Retail Excellence, engagiert sich für Social Compliance in der Beschaffung und unterstützt die BSCI ehrenamtlich.

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Kategorien: Einkauf, Intrapreneurship

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