Der schnellste Intrapreneur der Welt – Jochen Zeitz dynamisiert

2. Januar 1990, Winter in Franken. Ein 27 Jahre junger Manager hat seinen ersten Arbeitstag bei Puma, nach erfolgreichen ersten Berufsjahren im professionell geführten Weltkonzern Colgate-Palmolive. Nach Stationen in New York und Hamburg stößt Jochen Zeitz in Herzogenaurach auf Provinz und Mittelmäßigkeit. „Wir haben Sie gar nicht erwartet “ – das persönliche Erlebnis am Firmen-Empfang ist bereits der 3. Warnschuss, nachdem noch vor seinem Start sein künftiger Chef gefeuert wurde und Zeitz auf der globalen Vertriebstagung das Marketingelend in voller Deutlichkeit erleben durfte.

Es sollte noch schlimmer kommen: Wenige Wochen nach dem Start ist klar, Puma ist entgegen den Lippenbekenntnissen des Vorstandes weder saniert, noch sind ausreichend Investitionsmittel vorhanden, der (früheren) Marke ein gutes Marketing Konzept für den Turnaround zu verpassen. Eigentlich eine glasklare Ausgangssituation, als Zeitz‘ früherer Arbeitgeber ihm eine neue Karriere-Perspektive im vertrauten internationalen Kontext anbietet. Doch es kommt anders! Zeitz nimmt die Herausforderung Puma an, will als Marketing-Manager der Raubkatze neues Leben einhauchen – einer Marke, die zum damaligen Zeitpunkt eher für Wühltischaktionen und Missmanagement bekannt ist.

2 ½ Jahre oder drei Vorstandsvorsitzende lang liefert der Marketing-Manager frischen Wind, gestaltet neue Kampagnen, räumt mit dem CI & Logo-Wildwuchs auf und schafft mit seiner Markenvision innen und außen neue Aufmerksamkeit. Es ist Frühjahr 1993, als der schwedische Investor Proventus die Übernahme von Puma prüft, auf den dynamischen Marketing Manager trifft und ihn auffordert, sich mal Gedanken zur Zukunft des Unternehmens zu machen. Zeitz fliegt nach Malmö, stellt seine Vision der Neuausrichtung vor und bekommt am Ende des Gespräches die Frage, ob er nicht das Unternehmen führen wolle (statt nur Marketing zu machen). Es folgt Schlag auf Schlag: Proventus übernimmt Puma, setzt den gerade erst neu bestellten Restrukturierungs-CEO ab und stellt den seit Jahren auf Turnaround wartenden Banken den 30-jährigen Turnschuh-Manager Jochen Zeitz als die Zukunft Puma´s vor. Zeitz ist am Ziel, mit außerordentlichem Intrapreneurship in Rekordzeit vom Manager zum CEO.

Der Rest der Geschichte ist Geschichte: Der Turnaround gelingt mit einem Team aus ausschließlich internen Managern, ohne Berater, aber mit unzähligen weiteren Puma-Intrapreneuren. Es folgt ein strahlendes Marketing- und Turnaroundmärchen und Jochen Zeitz wird anschließend einer der erfolgreichsten Vorstandsvorsitzenden der deutschen Nachkriegsgeschichte.

ri: Hr. Zeitz, als sie 1990 zu Puma kamen und sich aufmachten, einen Turnaround anzustoßen, wie schwierig war das?

Jochen Zeitz:  Zweifellos sehr schwierig, denn Puma war schon mehrere Jahre in einer sehr kritischen Situation. Die Raubkatze hatte in einem tiefen Winterschlaf gelegen. Alle Versuche für einen Neuanfang waren zuvor schon gescheitert. Das Managementteam musste deshalb damals mit vielen internen und externen Widerständen kämpfen. Doch in einem Umfeld ohne Vision und Struktur schafft man als junger Manager leichter Aufmerksamkeit für neue Ansätze.

ri: Ist ein schwaches Managementumfeld eine Einladung für das Engagement talentierter Intrapreneure?

Jochen Zeitz: Man kann in der Krise zwar leichter Veränderungen anstoßen, doch bieten sich solche Chancen jederzeit, an jedem Arbeitsplatz – so wie auch heute bei Puma. Damals hatten wir nicht mehr viel zu verlieren. Wenn ich da immer gewartet oder jeden gefragt hätte, wäre sicher nicht viel passiert. Ich ermutige unsere Manager, sich besonders dort zu engagieren, wo das Unternehmen Lücken lässt. Allerdings: Wer dann Veränderungen anstößt, der muss auch dafür kämpfen und darf nicht gleich nach der ersten Niederlage wieder aufgeben. Es ging auch bei mir nicht alles sofort glatt.

ri: Nach dem Erfolg der letzten 17 Jahre ist Puma heute ein erfolgreiches Unternehmen. Wo erleben sie da persönlich noch Intrapreneurship?

Jochen Zeitz: Eigentlich täglich, insbesondere in den letzten zwei Jahren. Nach den Erfolgen der Vorjahre mussten wir das Unternehmen im Rahmen eines Restrukturierungs-und Reengineering-Programms in einigen Bereichen umbauen, um wieder zukünftiges Wachstum generieren zu können. Wir haben also die Finanzkrise gezielt genutzt und in dieser Zeit habe ich bei Puma viele Intrapreneure wirken sehen. Wir sind heute als Unternehmen sicher besser aufgestellt als vor zwei Jahren.

ri: Sind sie als CEO heute noch Intrapreneur?

Jochen Zeitz: Ja, denn auch innerhalb des Vorstands ist Intrapreneurship heute gefragt. Es wirkt mobilisierend nach innen und als Vorstand versuchen wir, Veränderungen anzuregen statt anzuordnen. Der Sportlifestyle- und Fashion-Markt ist sehr wettbewerbsintensiv und stellt uns vor ständige und dynamische Veränderungen. Wir können davon nur profitieren wenn das ganze Team den Trends vorauseilt, Innovationen schafft und sich regelmäßig neu aufstellt. Wenn ein Vorstand einer globalen Marke nicht mehr als Intrapreneur wirkt, dann verliert sein Unternehmen.

ri: Wo und wie lebt Puma Intrapreneurship heute konkret?

Jochen Zeitz: Intrapreneurship ist ein fester Bestandteil unserer Unternehmenskultur – ein Unternehmenswert, den wir auch im Leitbild vermitteln. Wir stellen jede Woche weltweit neue Mitarbeiter ein, die wir von Beginn an dazu ermutigen, die ihnen übertragenen Aufgaben aktiv mitzugestalten. Wenn zum Beispiel ein neuer Kollege in Indien immer darauf warten würde, was eine Prozessbeschreibung aus Deutschland dazu sagt, wären wir nicht mehr dynamisch. Unser neues Programm für Talentmanagement setzt verstärkt auf diesen Gedanken: Wir wollen Talente, das heißt auch Intrapeneure früher erkennen, sie besser fördern und gezielt weiter entwickeln.

Guido Schild ist Unternehmensentwickler bei Team Retail Excellence.

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Kategorien: Intrapreneurship

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